Biografie

(letztes Update: 6.2.2010)

 

Aus einer Musikerfamilie in Bonn stammend, begann Christoph Richter mit 15 Jahren, bei André Navarra an der Musikhochschule in Detmold Violoncello zu studieren. Seine Studien vertiefte er danach bei Pierre Fournier. Außerdem erhielt seine musikalische Entwicklung durch die intensive Zusammenarbeit mit dem großen ungarischen Geiger Sándor Végh wichtige prägende Impulse.
Mit 23 Jahren wurde Christoph Richter erster Solocellist des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg (1981-1988). 1986 war er Preisträger beim internationalen Concours de Genève und beim internationalen Rostropowitsch-Wettbewerb in Paris, wo er auch den Preis der Stadt Paris für die beste Interpretation des Werks Per Slava für Violoncello solo von Krzysztof Penderecki, ein eigens für den Wettbewerb geschriebenes Werk, gewann.

1988 wurde Christoph Richter an die Folkwang Universität in Essen berufen und hat dort seitdem eine Professur inne. Er gibt Meisterklassen in ganz Europa. Zudem ist er seit der Gründung 2004 ständiger Dozent an der European Chamber Music Academy in Wien, Zürich, Manchester und Paris mit Kollegen wie zum Beispiel Hatto Beyerle, Peter Cropper, Shmuel Ashkenazy, Erich Höbarth, Jürg Wyttenbach und Heinrich Schiff. Zusammen mit Frans Helmerson leitet er eine Celloklasse an der Menuhin Academy in Bern.

Einen wichtigen Teil von Christoph Richters Konzerttätigkeit stellt die Kammermusik dar. Er war Mitglied des Cherubini Quartetts und gründete mit der Cellistin Xenia Jankovic das Boccherini Cello Duo. Zusammen mit Isabelle Faust und Thomas Riebl spielt er seit kurzem Streichtrio. Zu seinen weiteren Kammermusik¬partnern gehören unter anderem András Schiff, Heinz Holliger, Erich Höbarth, Alexander Lonquich, Dénes Várjon, Hariolf Schlichtig, Levon Chilingirian, Lars Anders Tomter, Henning Kraggerud und Quartette wie Keller oder Kuss. Von 2004-09 spielte er im von ihm mitbegründeten Heine Quartett, mit dem er einen Lehrauftrag an der Guildhall School of Music in London innehatte. Das Heine Quartett bekam für seine Einspielung von Quartetten von Janáček und Brahms unter anderem die Auszeichnung „CD of the Month“ im Magazin „The Strad“ verliehen. Er ist regelmäßig zu Gast bei internationalen Kammermusikfestivals wie beispielsweise den Ittinger Pfingstkonzerten (Schweiz), dem Kunstfest Weimar oder dem Lake District Festival (England) und auch bei Festivals auf Zypern, in Italien und Norwegen.
Als Juror war er bei den internationalen Wettbewerben für Violoncello „André Navarra“ in Toulouse, für Streichquartett „Haydn-Wettbewerb“ in Wien, „Joachim-Wettbewerb“ in Weimar und in London und Trondheim.

Neben seiner kammermusikalischen Konzerttätigkeit spielt Christoph Richter als Solist mit vielen namhaften Orchestern zusammen, wie mit den Münchner Philharmonikern, der Tschechischen Philharmonie Prag, dem Niederösterreichischen Tonkünstler Orchester, der NDR Philharmonie Hannover, der Camerata Salzburg oder dem Münchener Kammerorchester.

Als Gründungs- und Ensemblemitglied spielt er in der Cappella Andrea Barca, dem von András Schiff persönlich zusammengestellten Kammerorchester, das seit Jahren zur Mozartwoche Salzburg (Mozarteum) und nach Vicenza (Teatro Olimpico) eingeladen wird. Das Kammerorchester gastierte bereits in Wien, Basel, Zürich, Athen und in der New Yorker Carnegie Hall.

Christoph Richters solistisches und kammermusikalisches Repertoire von Bach und Boccherini bis hin zu Gubaidulina und Lachenmann ist außergewöhnlich groß und breitgefächert. Sein starkes Interesse an zeitgenössischer Musik führte zur Zusammenarbeit mit vielen Komponisten wie György Kurtág, Heinz Holliger, Krzysztof Penderecki, Hans Werner Henze, Helmut Lachenmann, Jörg Widmann und Aribert Reimann. So hat er beispielsweise bei den Salzburger Festspielen 1994 Henzes Introduktion, Thema und Variationen für Violoncello, Harfe und Streichorchester mit der Camerata Salzburg uraufgeführt.

Eine CD mit Werken von Heinz Holliger (Romancendres) und Clara Schumann (Romanzen) zusammen mit dem Pianisten Dénes Várjon wurde bei ECM 2009 veröffentlicht und bekam sofort hervorragende Besprechungen. Eine 2. CD mit dem Gesamtwerk von Brahms und Webern für Violoncello und Klavier ist in Planung.
2010 kommt eine CD mit dem Divertimento KV 563 für Streichtrio von Mozart mit Henning Kraggerud und Lars Anders Tomter bei Naxos heraus.

2004 erschien von Christoph Richter in Zusammenarbeit mit Xenia Jankovic und der Radio-Philharmonie Hannover des NDR eine CD mit Konzerten für Violoncello und Orchester des Cellovirtuosen Julius Klengel (1859-1933) bei cpo.
Weitere Aufnahmen gibt es bei EMI, Wergo, Genuin und Tudor.

In der laufenden Saison konzertiert Christoph Richter unter anderem in London und Budapest mit Dénes Várjon, in Berlin und Salzburg mit Isabelle Faust und Thomas Riebl, in Mailand und Gstaad mit Andras Schiff. Im August 2010 eröffnet er das Kunstfest Weimar zusammen mit Nike Wagner und Alexander Lonquich.

Im Jahr 2009 spielte Christoph Richter sämtliche Werke von Beethoven für Violoncello und Klavier zusammen mit Dénes Várjon in London (Kings Place) und Budapest. Eines der nächsten Duo-Projekte Christoph Richters zusammen mit dem Pianisten Dénes Várjon ist ein Programm mit Werken von Clara und Robert Schumann, Heinz Holliger und Johannes Brahms in der Wigmore Hall in London.

2010/11 wird er unter anderem in Paris (Théâtre des Champs-Élysées) und im Musikverein in Wien (Schumann, Cellokonzert) auftreten. Im März 2011 ist er künstlerischer Leiter eines Festivals in London (Kings Place), das den Komponisten Heinz Holliger ehrt.